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Das Federkleid und seine Designerin

5. August 2017

Die winzigen Wurzeln des Papiersamens wurden kräftiger. Umschlangen mein Herz, damit es nur noch für diese wundersame Pflanze schlagen sollte, die sich in meinem Innersten weiter entfaltete. Weitere Blätter sproßen hervor und legten sich um mich wie ein Kleid: Erneut ein Papierkleid. Nicht federleicht, sondern mit Federn. Für die Tochter von Frau Holle, die nicht ertragen kann, wenn es auf der Welt nicht schneit…

Nach dem ersten Papierkleid, malte ich mir aus, ein Hochzeitskleid aus Papier zu basteln, aber niemand aus meinem Bekanntenkreis wollte heiraten. Und selbst wenn: Wer würde so ein Kleid einer Stoffvariante vorziehen wollen? Ich hatte mein Papierkleid angehabt – besonders bequem war es nicht. Dennoch hatte ich diesen Traum. Aber einfach eins basteln? Ich hatte schon einen Papiermann auf der Couch sitzen, wo sollte ich also noch ein riesiges Papierhochzeitskleid hinpacken? Zumal es niemals jemand tragen würde…

Aber da war diese Fotografin. Sie machte wundervolle Fotos. Ich folgte ihr schon eine Weile auf Facebook und war begeistert. Und dann suchte sie nach Leuten, die mit ihr ein paar neue Fotos ausprobieren würden. Da ich für meine Freundin ja auch ab und an mal experimentiermäßig vor der Kamera stand, nahm ich Kontakt zu ihr auf. Und wir einigten uns schließlich darauf, dass ich ein Feder-Papierkleid basteln sollte. Wieder klebte ich mit Holzleim Druckerpapier zusammen. Um es etwas flexibel zu halten, bastelte ich Blumendraht mit ein. Da ich kein Model zur Verfügung hatte, bastelte ich es mir selbst auf den Leib und durfte es dann auch für das Shooting tragen. Dazu kreierte ich noch ein paar Überzieher für meine Spitzenschuhe und ein lustiges Federhöschen. Außerdem zwei Federhüte, die dann aber nicht gebraucht wurden.

Es war zwar kein Hochzeitskleid, aber es war weiß. Und es steht jetzt auch noch bei mir rum. Aber es ist schön. Und wer weiß, vielleicht macht es irgendwann dann doch mal für ein Hochzeitskleid Platz…