Einhorn
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Das erste Einhorn

21. August 2017

Es ist einer meiner Lieblingsfilm. Ungeachtet des ganzen Einhornhypes habe ich diesen Film schon als Kind geliebt. Damals als man die Filme noch nicht ständig und überall abrufen konnte. Wo man noch aufgeregt in der Fernsehzeitung blätterte, um nachzusehen, wann der Lieblingsfilm oder die Lieblingsserie lief. Als man vor Weihnachten voller Vorfreude auf diesen einen Film wartete. Diesen wundervoll traurigen Film, der dennoch voller Hoffnung steckt. Voller Hoffnung auf eine geheime zerbrechliche Welt voller Wunder. Voller Einhörner. Gefangen im Meer. Gejagt von einem roten Stier. Und das Letzte, das sich auf die Suche macht. Das sie alle rettet. Und am Ende das einzige Einhorn ist, das Liebe und Leid erfahren hat.

Auch heute muss ich jedes Mal weinen, wenn ich den Film sehe. Schon die grandiose Musik lässt mein Herz schwer und sehnsüchtig seufzen. Weil ich so sehr wünschte, das es sie gibt. Das dieser Film mehr wäre als eine Geschichte. Also musste ich ein Einhorn basteln. Es real werden lassen.

Ich bastelte das ERSTE Einhorn

Schon als Kind habe ich viele Bilder von diesem Film gemalt, aber der große Unterschied zwischen dem Malen und einer Skulptur ist die Drei-Dimensionalität. Beim Malen oder zeichnen kannst du dir immer die Perspektive aussuchen, die dir am besten gefällt, oder auch, die du am besten beherrschst. Bei einer Skulptur muss du alle möglichen Perspektiven akzeptieren und einbringen. Und manchmal gefällt dir auch eine nicht so sehr. Weil es einfach so ist. Weil ich mir auch nicht von allen Seiten gefallen. Weil man auch optisch gute und schlechte Seiten hat. Weil keiner perfekt ist. Aber so ein Einhorn…müsste das nicht perfekt sein?

Einhorn Unterbau
Einhorn Unterbau

Um mir ein Bild von einem Dreidimensionalen letzten Einhorn zu machen, brauchte ich ein einige Bilder des Einhorn. Natürlich findet man im Internet reichlich. Allerdings wiederholen sich dort die Bilder stark. Selbstverständlich habe ich auch den Film auf DVD, aber den brauchte ich nicht. Die Geschichte hätte mich vermutlich auch viel zu sehr abgelenkt (*schnief*). Also nahm ich Bilder von echten Pferden zur Hilfe. Da ich für ein Lebensgroßes erwachsenes Einhorn nun wirklich keinen Platz habe, entschied ich mich dafür, ein Fohlen zu basteln. Was wäre wenn das Einhorn ein Baby hätte? Dafür wählte ich eine recht typische Haltung eines Fohlens aus. Obwohl ich auch diesbezüglich nicht viele brauchbare Bilder im Internet fand, klappte mein Unterbau aus Papier und Klebeband recht gut.

Einhorn liegend

Das Problem dabei ist, dass der Unterbau kleiner sein muss als das, was man dann als Endergebnis haben möchte. Denn die Papierschichten, die man auf den Unterbau klebt, machen am Ende schon überall ca. einen Zentimeter aus. Und das kann die Proportionen ganz schön verändern. Das vergesse ich meistens beim Bauen und muss das dann im Nachhinein ausbügeln. Wenn ich dann mit dem bekleben mit Zeitungspapier beginne, bin ich meist total euphorisch. Ich habe dann das Gefühl, dass ich eigentlich schon fast fertig bin, weil ich doch die Form schon habe. Aber leider ist das nur der Anfang. Die richtige Arbeit kommt erst später.

Es beginnt damit, dass ich den Unterbau wieder rausholen muss. Dafür muss man die schöne Form wieder aufschneiden. Zerstören. Ja, bei mancher Form sogar zerstückeln. Ich entschuldige mich dann immer bei meinen Werken, weil ich ihnen das antue, wo ich sie doch gerade erst erschaffen habe. Aber ohne Unterbau sind die Skulpturen so schön leicht – ein klarer Vorteil von Pappmaché und man entdeckt, wo man vielleicht noch nicht genug Schichten aufgetragen hat. Aber es tut weh…. Und es ist anstrengend. Die Pappmaché Schicht ist ganz schön hart und es klebt ziemlich fest auf dem Unterbau. Aber es klappt immer. Dann muss man die Puzzleteile wieder zusammenfügen und: Der Grundstock meines ersten Einhorns war fertig. Dann geht es ans Modellieren. Ich hab mich entschieden nicht alles vom letzten Einhorn zu übernehmen. Die sehr dünnen Beine und auch den runden großen Körper fand ich als dreidimensionale Skulptur nicht so ansprechend. Hier habe ich mich also eher an einem echten Fohlen orientiert. Kopf und Mähne wollte ich aber dann doch wieder stark an die Zeichentrickfigur anlehnen. Beim Kopf war es eine Herausforderung beide Seiten gleichmäßig hin zu bekommen. Wer will schon ein schiefes Gesicht? Als Papier drauf, dann wieder absäbeln, wieder anders drauf und nochmal…. Und die Mähne wünschte ich mir wallend und üppig. Obwohl das Einhorn liegt, sollte der Wind darin spielen… Gar nicht so einfach das aus Papier hinzubekommen. Da hab ich ein paar Versuche gebraucht. Am Ende war ich dann einigermaßen zufrieden, obwohl ich es bei einem zweiten Einhorn vielleicht von vorneherein anders anpacken würde.

Dann waren die Augen dran. Ich hatte Schwierigkeiten die Größe richtig einzuschätzen. Die Trickfilmfigur hat schon sehr große Augen, aber ich war nicht sicher, ob sie zu groß merkwürdig aussehen würden. Denn: Dies war halt keine Zeichentrickfigur. Im Endeffekt hab ich mich dann für 4 cm Durchmesser entschieden. Das wirkte

Einhorn Auge
Einhorn Auge

nicht zu groß und ich glaube, es war auch die richtige Entscheidung. Ich habe dafür zwei Cabochons bemalt. Beim Einbauen bin ich immer ganz aufgeregt. Jetzt wird meine Skulptur zum Leben erweckt. Manchmal zittern meine Hände dann sogar. Was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Aber dann waren sie drin! Und sie waren schön! So richtig toll werden sie aber erst, wenn das Augenlid drüber ist. Dafür tauche ich Bettlakenstücke in Bastelkleber. Das habe ich mir bei Dan Monsterman abgeguckt. Bei allen Projekten, bei denen man eine Haut braucht, macht das schon ganz schön was her. Es passt aber nicht bei allem, wie ich finde. Bei der Mähne habe ich es nicht gemacht, weil ich da die natürliche Papierstrucktur nicht verlieren wollte. Aber schaut mal bei Dan vorbei. Er macht tolle Drachen und Monster https://papermacheblog.com/

Das Anmalen war nicht ganz so spektakulär, da so ein Einhorn schließlich hauptsächlich weiß ist. Allerdings wollte ich bei der Mähne die Struktur ein wenig mehr betonen.

Einhorn weiß

Zuerst habe ich die gesamte Mähne leicht bläulich gemacht, aber das gefiel mir dann doch nicht. Dann habe ich die Struktur nur mit Blau unterstrichen, aber auch das wirkte auf mich irgendwie zu hart. Am Ende habe ich mich für Glitzer entschieden. Der ist nicht so hart und natürlich - klarer Vorteil - glitzert er!!!! Auch das Horn musste ich ein paar Mal anmalen: Erst hellblau, dann Metallic, dann wieder hellblau… bis ich dann doch zum Glitzer gegriffen habe. Aber ein Einhorn darf ja auch glitzern.

Und dann waren da noch die Wimpern… Die Zeichentrickfigur hat schöne traurige Augen mit langen schwarzen Wimpern. Als ich aber welche anbrachte, erinnerten sie mich irgendwie an Miss Piggy. Ich hab sie dann nochmal gekürzt und gelichtet und dann gefiel es mir besser. Aber ich bin mir, was das angeht, immer noch etwas unsicher. Aber wenn ich sie nicht mehr mag, könnte ich sie ja einfach wieder abmachen…

Einhorn Mähne nach erstem Anstrich
Einhorn Mähne nach erstem Anstrich