Drache in der Wildnis
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Drachengeburtstag

20. August 2017

Kindergeburtstage sind etwas, an das man sich auch noch im Erwachsenenalter erinnert. Zumindest die zwischen 6 und 12 sind mir noch sehr präsent. Diese Vorfreude! Diese Ungeduld ein ganzes Jahr darauf zu warten. Sehnsüchtige Blicke auf den Kalender, der doch immer nur einen Tag nach dem anderen verstreichen lässt. Und dann der große Tag, der immer irgendwie zu kurz war, außer die Tage, an denen die Geburtstagsfeier nicht so schön war. Weil alle krank waren und keiner kam. Weil man sich verletzte, oder weil er einfach nicht so war, wie man sich das in 364 Tagen vorgestellt hatte.

Und deshalb möchte ich versuchen meiner Tochter unvergesslich schöne Geburtstage zu schenken. Ich will, dass sie ein Erlebnis hat, dass sie später ihren Kindern erzählen kann. Ich möchte, dass sie ihre Fantasie erleben kann, da sie doch schon so bald von der Realität eingeholt wird. Viel zu bald. Ich will versuchen, dass sie dennoch einen Teil ihrer Fantasie behält. Tief verborgen in ihrem Herzen. Auch wenn sie 80 ist. Damit sie sich erinnern kann, in welcher wundersamen Welt sie als Kind war. Zumindest an diesem einen Tag, als die Fantasie für so kurze Zeit zur Realität wurde. Als Wunder Wirklichkeit wurden…

Drache Körper und Hals
Drache Körper und Hals

Meine Tochter wünschte sich zu ihrem siebten Geburtstag einen Drachengeburtstag. Und das stellte mich vor eine gewisse Herausforderung. Zu ihrem sechsten Geburtstag wünschte sie sich einen Planteten Geburtstag, in dessen Rahmen ich ihr dann ein Raumschiff als Teil der Geburtstagsparty gebaut hatte (Blogeintrag folgt noch). Die Suche nach dem Raumschiff im Wald hat so viel Spaß gemacht, dass ich auch bei diesem Geburtstag nicht auf eine Schnitzeljagd verzichten wollte. Aber ich musste diesmal überzeugender sein, da sie sich ja noch gut an den letzten Geburtstag erinnern konnte und sich denken konnte, dass die Geschichte vielleicht doch nur der Fantasie ihrer Mutter entsprungen sein könnte. Also wollte ich einen Drachen bauen, der zumindest so echt aussah, dass er auf einem Foto gut wirken würde. Dafür warf ich einen Blick auf die Internetseite von Dan Monsterman, der in den USA hauptsächlich Drachen aus Pappmaché baut. Und ich fand dort einiges an Inspiration. Jetzt wollte ich aber noch zusätzlich, dass der Drache nicht beim ersten Regen in seine Bestandteile zerfließt. Schließlich kann man sich auf das Wetter niemals verlassen. Also konnte ich meine bisherige Arbeitsweise mit viel Mehl und Wasser eher vergessen. Nach kurzer Recherche entschied ich mich, den Drachen daher mit Wasserfestem Holzleim zu bauen. Wie sich herausstellte, war das dann aber schwieriger als gedacht… Meine Tochter hat Ende März Geburtstag und ich begann mit dem Bau Anfang Februar. Genug Zeit, so dachte ich. ABER: 1. Hatte ich noch nie eine so große Figur gebaut und 2. verhielt sich der Kleber doch so viel anders als erwartet. 3. So einen riesigen Drachen vor einer neugierigen fast 7-jährigen zu verstecken ist äußerst schwierig und bescherte mir sehr viele Nachtarbeitsstunden.

Drache
Der Drache bekommt Gliedmaßen

Als ich mit dem Unterbau begann, war die Idee einen hockenden etwa einen Meter großen Drachen zu bauen. Aber irgendwie wollte mir das einfach nicht gefallen. Also entschied ich mich, den Drachen doch auf seine Hinterbeine zu stellen. Was den Drachen dann um einiges wachsen ließ. Das Problem war nur meine Ungeduld und der Kleber, der in Kombination aus immer wieder neu aufgetragenen Schichten, nicht trockenen wollte. Von oben wirkte er aber trocken und auch fest, aber die Feuchtigkeit der neuen Schicht, wurde von den darunter liegenden, noch nicht 100 % durchgetrockneten Kleberschichten scheinbar wieder aufgenommen. So drückte es sich also ständig auf der Seite ein, auf der der Drache abgelegt wurde – und auf seinen Beinen konnte er in diesem Zustand natürlich keineswegs stehen. Ich hatte aber die Zeit im Nacken und musste irgendwie weiter kommen. Also musste ich ständig ausbessern, ausbeulen und reparieren. Als er dann endlich trocken genug erschien, stellte ich ihn endlich auf die Beine, aber natürlich war das ein Fehler, weil es doch noch nicht trocken genug war – Er knickte ein. Also erneut ausbessern… Denn der Kleber machte den Drachen doch ungewohnt schwer. Mehl ist halt um einiges leichter.

Der Drache steht
Der Drache steht

Nun baute ich den Kiefer an den Hals. Aber irgendwie war ich mal wieder nicht zufrieden. Der Hals war nicht perfekt und irgendwie stimmten für mich Haltung und Proportionen nicht. Also musste wieder alles ab und der Hals wurde aufgeschnitten, abgeschnitten und wieder anders drangebaut. Als ich dann den Kiefer anklebte, passte es. Ich konnte den Kopf modellieren und die Augen einbauen.

Drachenkiefer

Das Drachenauge wird ausprobiert
Das Drachenauge wird ausprobiert

Während ich ungeduldig auf seine Trocknung wartete, kümmerte ich mich um seine Augen, seine Zähne und Hörner aus Fimo und den Kiefer. Irgendwann war es aber dann so weit. Er stand!

Der Drache bekommt Haut
Der Drache bekommt Haut

Während der Kopf trocknete, begann ich am Bauch mit der Schicht aus in Kleber getränktem Bettlaken, was ich mir auch von Dan Monsterman abgeguckt hatte. Dies ist besonders für die Flügel wichtig und auch für die Schuppen…. Oh, diese Schuppe… So viele… so viel Arbeit…. Aber es sieht so toll aus. Dennoch entschied ich mich, sie nicht über den ganzen Körper zu verteilen, sondern nur die Beine damit zu überziehen. Ansonsten wäre ich niemals pünktlich fertig geworden.

Drachenschuppen
Drachenschuppen

Aber so ganz zufrieden war ich dann mit der glatten Haut bei meinem Riesenreptil nicht. Also überlegte ich wie ich den Rücken gestalten könnte, um keinen zu harten Kontrast zu haben. Da fiel mir das Schmunzelmonster von Disney ein, das diese Rosa Flecken auf dem Rücken hatte. Keine Ahnung, wie die heißen, aber genau sowas wollte ich machen. Dazu mischte ich Kleber mit Klopapier und klebte drauf los. Das Ergebnis überzeugte mich.

Drachenfarbe
Drachenfarbe

Endlich war er also fertig. Nur die Farbe fehlte noch. Als ich mit dem Bau des Drachen begonnen hatte, war der Plan ihn rot zu machen. Deshalb hatte ich für den Kiefer und auch die Augen grün gewählt. Ich wollte, dass man ihn im Wald so richtig gut erkennen kann. Aber als ich meine Tochter unauffällig nach bevorzugten Drachenfarben fragte, sagte sie, dass sie rot mit bösen Drachen verbindet. Und böse sollte mein Drache natürlich nicht sein. Also musste ich umdenken, war damit aber tatsächlich etwas überfordert. Von einer Idee abzuweichen, ist schwer. Zumindest für mich… Also holte ich mir Hilfe, in dem ich beim Bonner Nettwerk auf Facebook um Ratschläge für die Farbgebung bat. Die Resonanz war für mich überwältigend und schlußendlich auch ein Anstoß überhaupt eine Facebookseite und nun auch diese Website zu gestalten. Für den Drachen bedeutete es dann eine Farbkombination aus Gelb, Türkis und dunklem Violett. Eigentlich wollte ich die Flügel mit bunten Mustern bemalen, aber es sah einfach blöd aus, wie ich fand. Nach einigen Versuchen passte ich sie dem restlichen Körper farblich an.

Und fünf Tage vor ihrem Geburtstag war er fertig! Eine regelrechte Punktlandung.