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Ein Traummann aus Papier

29. Juli 2017

Das Papierkleid hatte diesen wundervollen Samen in mein Innerstes gepflanzt. Er hatte dort Wurzeln geschlagen und die ersten kleinen zarten Blätter waren aus dem Samen hervorgebrochen. Papierblätter. Damals noch reinweiß und unbedruckt. Sie kitzelten den Wunsch nach Entdeckung hervor, den Wunsch etwas zu erschaffen. Und eine Figur entkletterte diesem Wunsch. Groß und weiß, mit Gelenken, Armen und Beinen. Füßen und Händen – Der Papiermann.

Ich wollte einen Papiermann basteln. Er sollte so groß wie ein echter Mann werden und funktionieren wie eine Art Marionette. Tatsächlich wollte ich auch zeitweise, Fäden daran machen. Wieder holte ich mir das Druckerpapier heran und sehr viel Kleber. Tatsächlich dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Mal an Zeitungspapier. Zwar hatte ich definitiv schon mal was von Pappmaché gehört, aber irgendwie hat mein Hirn da noch keine Verknüpfung erstellt. 

Papiermann
Papiermann

Also formte ich aus Papier und Kleber das erste Bein. Zur Glättung kam dann noch einige Schichten Druckerpapier über die Form. Es ging überraschend gut. Ich hatte in meiner Kindheit zwar auch schon mal mit Ton und anderen Materiallien gearbeitet, aber so richtige Skulpturen hatte ich nicht angefertigt. Malen war immer mein Favorit gewesen. Dass ich aber auch dreidimensionale Figuren erschaffen konnte, war eine neue Entdeckung. Also bastelte ich Stück für Stück noch ein Bein. Dann einen Arm, einen zweiten, einen Torso, einen Kopf… In jeder freien Minute saß ich auf dem Boden und klebte und formte. Es war so aufregend etwas zu erschaffen, dass ich es einfach nicht lassen konnte.

Als unsere Druckerpapier zu Neige ging, besorgte mir mein echter Mann aus Fleisch und Blut neues. Und ich bastelte weiter. Unter meiner Hand entstand ein Mann! Ein Papiermann!

Und dann ging mir der Kleber aus. Da ich meist abends Zeit zum Basteln fand, konnte ich nicht loslaufen und neuen kaufen. Ich musste entweder eine Pause einlegen, oder eine andere Lösung finden. Und die fand ich. Im Keller. Holzleim. Und es war großartig! Mit dem Holzleim ließ sich das Papier viel einfacher kleben. Viel schneller und sauberer.

Die Gelenke waren eine ganz besondere Herausforderung. Wie sollte ich es schaffen, dass er sich wie ein Mensch bewegen ließ? Ich wollte, dass er Haltung annehmen kann. Jede, die ich mir vorstellen konnte. Nachts vor dem Schlafen nagten diese Fragen an mir, suchten Antworten. Ja, ich träumte von dem Mann aus Papier. Einem Mann voller Gelenke.

Mann aus Pappmache
Mann aus Pappmache

Mit Draht gelang es mir schließlich die Teile meines Papiermannes zusammen zusetzen und da war er nun. Saß auf meinem Sofa und war da. Ich war so begeistert. Ich liebte ihn. Er war ein neues Familienmitglied. Ich strich ihn mit flourezierender Farbe an, und er leuchtete im Dunkeln. Es war Zauberrei. Pappzauberei!

Beim Basteln gingen mir immer wieder Ideen für Fotos durch den Kopf, die ich mit ihm zusammen machen wollte, aber es war Winter und der Papiermann hatte Angst vor der Nässe und der Kälte. Er war da wie ich. Also verschoben wir es und so kam es leider nie dazu. Aber vielleicht irgendwann.. Wir beide… Zusammen… Es könnte so großartig sein.

Hier geht's zur Geschichte: Das Geheimnis vom Glück